Finanzierung Wohnimmobilien

Pfandbriefbanken sind traditionell bedeutende Kapitalgeber für den Wohnungs- und Gewerbebau. Mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent am Wohnimmobilienfinanzierungsneugeschäft sind sie eine der wichtigsten Anbietergruppen in Deutschland.


Entwicklung der Wohnimmobilienfinanzierung in Deutschland insgesamt

Die Entwicklung des Immobilienmarktes und damit auch des Immobilienfinanzierungsgeschäftes in Deutschland steht im Jahr 2020 in engem Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Rezession mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um -4,9%. Mit den Folgen der Covid-19 Pandemie hatten besonders stark die Branchen Handel, Verkehr und Gastgewerbe zu kämpfen, die 2020 einen Rückgang der Beschäftigten um rund 340.000 Personen zu verzeichnen hatten. Dem gegenüber steht zwar ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen u.a. bei Öffentlichen Dienstleistern, Erziehung, Gesundheit und dem Baugewerbe, dennoch lag die Arbeitslosenquote zum Jahresende 2020 mit 5,9% um einen Prozentpunkt höher als zum Vorjahreszeitpunkt.

In dieser Rezession präsentiert sich der Wohnungsmarkt – wie bereits in der Finanzmarktkrise zu beobachten – ein weiteres Mal wenig konjunkturanfällig. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes blieb die Nachfrage nach Wohnimmobilien 2020 sowohl bei Eigennutzern als auch Kapitalanlegern ungebrochen hoch. Hier kommen die staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zum Tragen, mit denen die Einkommen der Privathaushalte größtenteils stabilisiert werden konnten. Hinzu kommt ein zusätzlicher Nachfrageimpuls infolge eines Bedeutungszuwachses der eigenen Wohnung auch als Arbeitsort. Darüber hinaus verbesserten sich die Finanzierungsbedingungen nochmals. Angesichts des nach wie vor knappen Angebotes führte dies zu einem Preisanstieg um 6,8%. Besonders stark gestiegen sind dabei die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen mit einem Plus von 7,6% bzw. 7,4%, während sich die Preise für Mehrfamilienhäuser mit +6,2% etwas weniger stark erhöhten. Eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien bei gleichzeitig steigenden Preisen hat dazu geführt, dass sich die Darlehenszusagen bei Wohnimmobilien erneut deutlich gestiegen sind.

Insgesamt wurden 2020 in Deutschland Darlehensauszahlungen in Höhe von knapp 270 Mrd. € (inkl. Finanzierungen im Ausland) vorgenommen, was einem Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr entspricht. 1)

 

Wohnimmobilienfinanzierungsneugeschäft in Deutschland 2005 – 2020

Quelle: Berechnungen des vdp auf Grundlage von Angaben von Verbänden der Kredit- und Versicherungswirtschaft und der Deutschen Bundesbank

Entwicklung der Wohnimmobilienfinanzierung der vdp-Mitgliedsinstitute

Die vdp-Mitgliedsinstitute sagten 2020 Wohnimmobiliendarlehen in Höhe von 108,3 Mrd. Euro neu zu, ein Plus von 8,1% gegenüber dem Vorjahr.

Mit 56,8 Mrd. Euro entfiel mehr als die Hälfte der Darlehenszusagen auf die Finanzierung von Ein- und Zweifamilienhäusern. Dieses Segment verzeichnete im vergangenen Jahr mit einem Plus von knapp 15% einen überdurchschnittlich starken Anstieg bei den Darlehenszusagen.

Die ungebrochen hohe Nachfrage nach Eigentumswohnungen spiegelt sich ebenfalls in einem deutlichen Anstieg bei den Darlehenszusagen wider, die 2020 mit 22,5 Mrd. Euro nahezu 9% über dem Vorjahresvolumen lagen.

Obwohl die Zusagen für Mehrfamilienhäuser im Vergleich zum Vorjahr leicht um -2,9% gesunken sind, stellt dieses Segment mit knapp 26,2 Mrd. Euro Darlehenssumme weiterhin das zweitgrößte wohnwirtschaftliche Segment bei den vdp-Mitgliedsinstituten dar.

Auf die Finanzierung bestehender Gebäude (einschließlich Modernisierungen) entfiel 2020 mit 64% der mit Abstand größte Teil des Neugeschäftes (2019: 63%). Der Anteil der Finanzierungen, die für den Wohnungsneubau eingesetzt wurden, lag bei 22% (2019: 23%). Wie im Vorjahr bewegte sich der Anteil der Darlehen zur Ablösung fremder Darlehen bei 14% (vgl. Abb. 2).

Mit 97% entfiel der überwiegende Anteil des Darlehenszusagen auf das Inlandsgeschäft. Hier wurden mit insgesamt 105,3 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr rund 9% mehr Darlehen zugesagt als im Vorjahr. Dem steht ein Rückgang des Auslandsgeschäftes um knapp 16% gegenüber, mit dem Ergebnis, dass im vergangenen Jahr nur noch knapp 3 Mrd. Euro zum Erwerb von Wohnimmobilien im Ausland zugesagt wurden.

Umfangreiches Datenmaterial zu diesem Thema finden Sie in unserem Statistikbereich zum Download.

1) Bei der Quantifizierung des Wohnimmobilienfinanzierungsgeschäfts wird auf das Inlandsgeschäft der Banken und Bausparkassen sowie der Lebensversicherer abgestellt. Grundlage für die Berechnung sind die Angaben der Mitgliedsinstitute des vdp und verschiedener Verbände der Kredit- und Versicherungswirtschaft. Wesentliche Teile der Kreditwirtschaft, nämlich die Genossenschaftsbanken, die Banken mit Sonderaufgaben und ein großer Teil der Regional- und sonstigen Kreditbanken stellen keine derartigen Informationen zur Verfügung. Diese Datenlücke wurde mittels einer Hochrechnung auf Grundlage der vorliegenden Daten zu den anderen Institutsgruppen und auf Grundlage der Kreditbestandsstatistik der Deutschen Bundesbank geschlossen.